von Jonas Rietdorf

 

Der freie britische Journalist Graham Phillips arbeitete unter anderem schon für RT International im Zuge der Ukraine-Krise. Er reist seit Mitte letzten Jahres mit dem Briten Patrick Lancaster durch die Ost-Ukraine und begleitet dabei die beiden Armeen der selbsternannten Volksrepubliken Donetsk (DPR) und Lugansk (LPR) bei Gefechten mit den ukrainischen Regierungstruppen. Meist werden beide Armeen auch im Verbund als NAF (United Armed Forces of Novorossiya) bezeichnet.

http://en.wikipedia.org/wiki/United_Armed_Forces_of_Novorossiya

Dabei führt er eine Art Tagebuch in Form von Videos, welche er täglich auf seinen Youtube-Channel hochlädt. Es gibt sowohl Videos in russischer, als auch englischer Sprache. Einige der russischen Videos werden mit englischen Untertiteln versehen, um ein größeres Publikum ansprechen zu können und den Stimmen des Donbass auch in der westlichen Welt Gehör zu verschaffen.

https://www.youtube.com/user/gwplondon

Als Phillips gerade dabei war ein Video bei Debaltsevo aufzunehmen wurde er und sein Kameramann fast vom Kugelhagel ukrainischer Soldaten durchsiebt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme fanden Straßenkämpfe im Kessel von Debaltsevo statt.

Die ukrainischen Soldaten waren gerade einmal 80 Meter von Phillips Position entfernt.

Einen Tag zuvor war er fast in einen Straßenkampf zwischen ukrainischen Soldaten und der Volkswehr gekommen, konnte sich dann aber noch auf einem nahegelegenen Hof in Sicherheit bringen. Begleitet wurde er von einem Soldaten der Volkswehr.

 

Machen wir einen Sprung in die Gegenwart, Kiew um genau zu sein.

Mittwoch, den 18.02.2015 entschloss sich der ukrainische Präsident Petro Poroshenko dazu seine beim Eisenbahnknotenpunkt Debaltsevo festsitzenden Soldaten zurückzuziehen.

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/11419406/Ukrainian-forces-pulling-out-of-Debaltseve.html

Des Weiteren verlangten Familienangehörige von ukrainischen Soldaten vor dem Verteidigungsministerium in Kiew, dass Poroshenko ihre Geliebten nach Hause holt.

Damit kommt Poroshenko dem Gesuch des Milizienführers „Igor Plotnitsky“ der Lugansker Volksrepublik (LPR) auf eine diplomatisch gestützte Verbesserung der Lage nach. Sofern die Ukrainer die Waffen niederlegen, die Artillerie ruhen lassen und anschließend das Gebiet um Debaltsevo verlassen, werde er sich mit dem Führer der Donetsker Volksrepublik darauf einigen können, die Ukrainer ziehen zu lassen. Hintergrund dieser Aussage war das Zögern seitens „Alexander Zakharchenkos“, dem Milizenführer der Donetsker Volksrepublik (DPR), sich dem Vorschlag Plotnitskys an das ukrainische Militär anzuschließen.

http://tass.ru/en/world/778355

In Anbetracht des, von Staats- Regierungschefs der Ukraine, Frankreich, Russland und Deutschland beschlossenen, Minsker Abkommens sei darauf hinzuweisen, dass der Bruch des Abkommens bei Debaltsevo separat betrachtet werden muss.

Bei Debaltsevo befanden sich Truppen beider Seiten in einer ausweglosen Situation. Mehr als 5.000 ukrainische Soldaten waren von der Volkswehr umzingelt. Die Soldaten standen sich förmlich gegenüber und hätte die jeweils gegnerische Seite zuerst die Waffen niedergelegt, könnte man sich nicht sicher sein, ob die jeweils andere dem Folge leistet.

http://orf.at/stories/2265561/2265562/

Abgesehen von der prekären Lage bei Debaltsevo hat sich die Situation insgesamt in weiten, von den Auseinandersetzungen betroffenen, Teilen des Landes beruhigt. Somit kann zeitweilig von einem Erfolg des Minsker-Abkommens die Rede sein.

Zuletzt schwindete die Hoffnung auf eine baldige Verbesserung der Situation, nachdem die Waffenruhe bereits am Tag 1 des Inkrafttretens des Minsker Abkommens 139 Mal gebrochen wurde, von beiden Seiten. Selbst zeitgleich mit den Friedensgesprächen am 11. und 12.02.2015 gerieten die Städte im Osten der Ukraine unter Beschuss ukrainischer Artillerie.

Lugansk war einem regelrechten Bombenhagel ausgesetzt,

 

und bei Gorlowka wurde ein Wohnhaus beschossen, bei dem drei Kleinkinder durch den Beschuss ihr Leben ließen. Kinder, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten. Ihnen wurde durch einen sinnlosen Bürgerkrieg das noch vor ihnen liegende Leben genommen.


Die sich verbessernde Lage nutzen viele Anwohner entweder zur Flucht gen Osten oder um in ihre Häuser zurückzukehren, mit der Hoffnung, dass ihre Wohnung nicht dem Beschuss zum Opfer fiel und dass noch etwas an Hab und Gut zu retten ist. Offiziellen Zahlen der „United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR)“, zu deutsch „Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen“, nach sind im Verlauf des Konflikts weit mehr als 700.000 Menschen nach Russland geflüchtet. Seltsam, wo doch Russland der Aggressor ist.
http://www.dw.de/unhcr-730000-flee-ukraine-for-russia/a-17833179 (Artikel vom August 2014)

Obwohl sich die Lage vorerst beruhigt hat, Leben die Bewohner der Ost-Ukraine immer noch in Angst und Schrecken. Die Jugend von Lugansk richtete sich jüngst mit einem deutsch untertitelten Appell an die westliche Welt. Der Botschaft zu entnehmen war zum Einen die aktuelle Lebenssituation und insbesondere die Ängste in der Bevölkerung einfach wieder zum Alltag überzugehen und die Schule, die Universität oder den Arbeitsplatz aufzusuchen. Selbst beim Weg zur Universität laufe man Gefahr Beschuss zum Opfer zu fallen, da die Stadt täglich unter Artilleriebeschuss gerate, so ein Wirtschaftsstudent. Die Kernbotschaft des Videos ist neben der Vermittlung des Donetsker Alltags, dass jeder seine eigene Wahrheit über die Situation in der Ukraine hat, aber niemand sie wirklich herausfinden und überprüfen kann, ohne selbst vor Ort zu sein.

https://www.facebook.com/video.php?v=817170501689044

Wenn jemand von der Wahrheit spricht, fasst er lediglich seine Meinung zu gewissen Geschehnnissen in eigene Worte. Es gibt viele Wahrheiten, aber nur die eine Realität. Diese Weisheit sollte man sich stets vor Augen führen. Dies verleitet einen unweigerlich dazu, bei egal welcher Meldung, ob Nachrichtensprecher oder Arbeitskollege eine kritische Einstellung beizubehalten. Insbesondere bei Aussagen, die in das eigene Weltbild passen. Denn manipulierbar ist ein jeder von uns!

 

 

Autor: Jonas Rietdorf